Ansprachen

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDF | Drucken | E-Mail



Ansprache
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
beim Festakt anlässlich der Entgegennahme des Eröffnungsbandes
der Gesammelten Schriften von Joseph Ratzinger

(Regensburg, 30. Oktober 2008)
 


Exzellenz,
lieber Herr Prälat Georg,
werte Festversammlung!

Die Präsentation des ersten Bandes der Gesammelten Werke von Joseph Ratzinger, unserem heutigen Papst Benedikt XVI., findet in Regensburg statt.

Erlauben Sie mir deswegen, dass ich unter Bezugnahme auf die Errichtung des „Instituts-Papst-Benedikt XVI.“ in Regensburg und diesen Festakt hier zu dem Lebenswerk des Dogmatikers Joseph Ratzinger mit seiner ungeheuren Breite einige Gedanken vortrage.

Warum beides – das Institut und die Präsentation - in Regensburg? Wahrscheinlich spielt dabei eine wesentliche Rolle, dass die Jahre des Dogmatikers Ratzinger an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Regensburg nicht nur die letzten, sondern auch die fruchtbarsten seiner akademischen Lehrtätigkeit waren. Das hilft zu verstehen, warum das Institut-Papst-Benedikt XVI. hier seinen Sitz gefunden hat – und nicht nur, weil die meisten seiner Veröffentlichungen hier in der Wohnung, die Kardinal Ratzinger als seinen Ruhestandssitz vorgesehen hatte, schon gesammelt sind. Der Herrgott hatte einen anderen Plan, d. h. er sollte sein theologisches Wissen in den Dienst der ganzen Kirche stellen – und das nicht nur als Präfekt der Glaubenskongregation, sondern jetzt als Oberhirte der Universalkirche. So scheint Regensburg wie geschaffen für den Sitz des Instituts-Papst-Benedikt XVI. und damit auch als Ort der heutigen Veranstaltung.

Es gibt aber noch ein weiteres – wenn man so will – „Ortszeichen“ für Regensburg im Hinblick auf die beiden erwähnten Ereignisse, das zugleich zu den Anmerkungen zum theologischen Werk Joseph Ratzingers überleitet. Und das bezieht sich auf die geographische Lage der Stadt. Regensburg ist ja nicht nur eine Donaustadt, hier erreicht der Strom auch den nördlichsten Punkt seines Laufes – von seinen Quellen im Schwarzwald bis zum Delta an der Grenze von Rumänien und der Ukraine, wo er ins Schwarze Meer mündet. Die Donau bietet sich als Allegorie an, die vorzüglich geeignet, das theologische Werk von Joseph Ratzinger zu charakterisieren.

1. Sie hat ihre Quelle in Deutschland, woher die meisten theologisch-wissenschaftlichen Quellen stammen, die der Theologe Joseph Ratzinger benutzt. Man braucht nur die Namens- und Literaturverzeichnisse und die Anmerkungen seiner Schriften zu konsultieren, um das bestätigt zu sehen;

2. die Donau fließt durch zehn Staaten, in denen sie durch Nebenflüsse, die ihr Wasser zuführen, immer größer und mächtiger wird. So hat der Dogmatiker Ratzinger aus theologischen Quellen verschiedener Provenienz – räumlich und zeitlich verstanden – geschöpft;

3. die Donau kommt aus deutschsprachigen Ländern und fließt über Ungarn in Länder mit slawischer Prägung, und markiert auf ihrer letzten Strecke die Grenze zwischen slawischer und lateinischer Kultur – zwischen Bulgarien und Rumänien. Beide Länder gehören aber kirchlich der orthodoxen Tradition an. Besonders in seinen Werken zu Fragen der Liturgie hat Joseph Ratzinger öfters Quellen und Veröffentlichungen aus dem Bereich der Ostkirchen herangezogen;

4. schließlich und hauptsächlich – Sie alle haben das vom Anfang dieser Allegorie an verstanden oder erwartet –: das Wasser ist immer dasselbe, ob es aus den Quellflüssen und aus den Zuflüssen kommt. So geht es in allen theologischen Schriften des Dogmatikers – sowohl in ihrem unmittelbaren Gegenstand wie auch in ihren Quellen – immer um Gott, um ihn in seinem Wort, das für uns lebendig ist in der Überlieferung der Kirche. Wie der berühmte französische Bischof, Theologe und Prediger Bossuet sagte: „Pour moi Dieu et l´ Église c` est tout un“, so zeigt uns heute der Theologe Joseph Ratzinger, dass Theologie nur von Gott her, über Gott und in Gott in vollem Einklang mit dem kirchlichen Lehramt als dem Garanten der lebendigen Tradition sich vollziehen kann.

Wie die Donau die Gegenden, die sie durchfließt, bewässert, so bringt der Theologe mit seinen wissenschaftlichen Werken Gott zu den Menschen.

Ich danke dem Institut-Papst-Benedikt XVI. und dem Verlag Herder, dass ich als Vertreter des Papstes in Deutschland den Band „Theologie der Liturgie“, den Band 11 in der Reihe der Gesammelten Schriften, der nach dem Wunsch des Heiligen Vaters als Eröffnungsband erscheint – in Anwesenheit von Herrn Prälat Georg Ratzinger sowie von Herrn Professor Voderholzer, dem Direktor des Instituts, und Herrn Herder als Verleger und Ihnen allen, meine Damen und Herren, aus der Hand der Herausgebers, Herrn Bischof Gerhard Ludwig Müller, entgegennehmen darf.