Ansprachen
Ansprache
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Jean-Claude Périsset,
zur Eröffnung der Ausstellung
„OPUS JUSTITIAE PAX - Eugenio Pacelli - Pius XII."
(Berlin im Schloss Charlottenburg, 22. Januar 2009)
Eine historische Ausstellung über eine Persönlichkeit bedeutet sowohl Erinnerung als auch Ansporn für uns heute, anhand der ausgestellten Objekte und Dokumente darüber nachzudenken, was das Leben von Papst Pius XII. für die Kirche, für die Welt und besonders für Deutschland bedeutet.
Als Titularerzbischof von Sardes war Eugenio Pacelli im Mai 1917 in München angekommen, um die Leitung der in jener Zeit immer noch existierenden Apostolischen Nuntiatur am bayerischen Hof zu übernehmen. Bald wurde er mit der Friedensvermittlung bei der Reichsregierung in Berlin beauftragt, wohin er 1925 übersiedelte, nachdem er schon 1920 auch zum Nuntius bei der Regierung der neuen Republik von Weimar ernannt worden war. In jenen Jahren wurden die Konkordate mit Bayern (1925) und Preußen (1929) abgeschlossen, wobei er seine außerordentliche Qualifikation als Kanonist wie auch als Diplomat zur Geltung bringen konnte.
Noch mehr bekannt wurde Nuntius Pacelli in München aber vor allem wegen seines Einsatzes für die Gefangenen und armen Opfer des eben beendeten Ersten Weltkrieges.
Die Ausübung seines Amtes als Nuntius in Deutschland war für ihn – er war ja immer noch in seinen jungen Jahren, um die 50 herum – wie ein Noviziat für seine zukünftige hohe Verantwortung als Staatssekretär (1930-1939) und Papst (1939-1954) unter leider immer noch ähnlichen Verhältnissen von Krieg, Armut und politischen Turbulenzen. Deshalb konnte er in seiner Rundfunkansprache vom 24. August 1939, als der Zweite Weltkrieg vor der Tür stand, die Welt mit den Worten zum Frieden aufrufen: „Mit der Kraft der Vernunft, nicht mit der Gewalt der Waffen, bahnt sich die Gerechtigkeit ihren Weg …Politik, die sich vom Sittengesetz freimacht, verrät gerade jene, welche sie so haben wollen. Die Gefahr steht vor der Tür, aber noch ist es Zeit. Nichts ist verloren durch den Frieden, alles kann verloren sein durch den Krieg.“ („Un’ora grave“, 24.08.1939).
An etwas, scheint es mir, soll man noch beim Gedenken an Papst Pacelli erinnern: Es ist das, was ich gern „den wissenschaftlichen Schatz“ seiner Tätigkeit in Deutschland nenne, wo er mit so vielen berühmten Wissenschaftlern in Beziehung stand, und besonders hier in Berlin, dem Hauptsitz der Max-Planck-Gesellschaft. Die Vielfältigkeit der Themen seiner Ansprachen und Dokumente als Papst zeigt ihn als einen Hirten, der die Zeichen der Zeit erkennt, sie tief betrachtet und mit dem Licht der Offenbarung beleuchtet. So hat er das Zweite Vatikanum vorbereitet, wie die vielfältigen Verweise auf ihn in der Konzilsdokumenten bezeugen.
Ich freue mich, dass diese Ausstellung, die schon in Rom präsentiert wurde, jetzt auch in Berlin eröffnet werden kann, um die Person, das Leben und das Werk von Nuntius Pacelli und Papst Pius XII. besser kennenzulernen und um sein geistiges Erbe anzutreten, damit die neuen Generationen dieses in der heutigen Welt leuchten lassen. Dazu sei Gott dem Allmächtigen und Allweisen Lob und Dank sowie auch allen Mitarbeitern des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften in Rom und hier in Berlin, die die Ausstellung vorbereitet haben. - Vergelt’s Gott!
Berlin, 22. Januar 2009
+ Jean-Claude Périsset
Apostolischer Nuntius



