Ansprachen
Ansprache
des Doyens des Diplomatischen Corps,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten
Berlin im Schloss Bellevue, 13. Januar 2010
Sehr verehrter Herr Bundespräsident!
Es ist für das Diplomatische Corps wiederum eine Freude, Eurer Exzellenz und in Ihrer Person den Menschen der Bundesrepublik Deutschland herzliche Glückwünsche für das gerade angefangene neue Jahr 2010 zu entbieten. 2010 ist auch der Beginn einer neuen Dekade im 21. Jahrhundert, und je länger wir diese Zeit miteinander erleben, umso mehr wird es sich erweisen, wie wir sie wirklich zur Förderung der gegenseitigen Beziehungen nutzen – entsprechend dem Wort von Henry Ford:
„Zusammenkommen ist der Beginn,
Zusammenbleiben ist ein Fortschritt,
Zusammenarbeiten ist ein Erfolg.“
Ziel des Einsatzes von uns allen, die wir in Deutschland tätig sind, ist es, die erfolgreichen Beziehungen und eine gute Zusammenarbeit zwischen den Staaten und auch den internationalen Organisationen, die von uns vertreten werden, und Deutschland zu fördern. Erinnern wir uns dabei an die Warnung des Tragikers Euripides, der sagt: „Die Zeit enthüllt alles; sie ist eine Schwätzerin, die redet, ohne gefragt zu sein.“ Vielleicht werden nach Jahrzehnten Historiker feststellen, ob unsere Zusammenarbeit ein Erfolg war oder nicht.
In der Ansprache, mit der sich Papst Benedikt XVI. im Anschluss an das Konzert in der Sixtinischen Kapelle am 4. Dezember des vergangenen Jahres anlässlich des 60. Jahrestages der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und des 20. Jahrestages des Mauerfalls an Sie, Herr Bundespräsident, seinen Landsmann, wandte, nannte er den Schlüssel zum Erfolg jeden menschlichen Handelns, als er sagte: „Die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts zeigt, dass Verantwortung vor Gott für rechtes politisches Handeln von entscheidender Bedeutung ist. Gott führt die Menschen zu einer wahren Gemeinschaft zusammen, und er macht dem einzelnen bewusst, dass in der Gemeinschaft mit den anderen noch ein Größerer gegenwärtig ist, welcher der Urgrund unseres Lebens und unseres Miteinander ist“ (L´Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache. 11. Dezember 2009, S. 1).
Sehr geehrter Herr Bundespräsident!
Exzellenzen!
Am Anfang eines neuen Jahres und einer Dekade ist es angebracht, Wünsche für die Zukunft zu haben und sie zum Ausdruck zu bringen. Noch heute gilt in diesem Zusammenhang, was Iulius Caesar einst sagte: „Die Menschen glauben fest an das, was sie wünschen.“ Damit aber unsere Wünsche Erfolg haben, müssen sie auf dem Hintergrund des heutigen Zustandes der Welt politisch, wirtschaftlich, kulturell und religiös bedacht werden. Gerade in diesem Zusammenhang ist unsere diplomatische Tätigkeit nicht zu ersetzen, wenn es darum geht, auch in Zukunft die Beziehungen zwischen Deutschland und den von uns vertretenen Staaten und Organisationen zum Erfolg zu führen. Als aufmerksame Beobachter der deutschen Politik und Gesellschaft kennen wir die Ansatzpunkte für ein mögliches Mitwirken unserer Regierungen.
Weit entfernt von illusorischen Erwartungen, sind unsere Wünsche wirklich diplomatisch, d. h. sie stehen auf dem festen Boden der täglichen Wirklichkeit der heutigen Gesellschaft. Und wir wissen auch, dass - wie Rabelais sagte – „die Zeit alles zur Reife bringt“, so dass wir die künftigen Erfolge der menschlichen Gesellschaft in den Wurzeln, die im Gestern und Heute liegen, sehen können.
Für Deutschland waren die beiden letzten Dekaden entscheidend: Die Wiedervereinigung des deutschen Volkes wurde mit ein entscheidender Ansporn für die Einheit und das friedliche Zusammenwachsen Europas. Über die Grenzen Europas hinaus ist Deutschland mit Europa für die ganze Welt eine vorbildhafte Herausforderung zu einer friedvollen Zusammenarbeit, in die alle Völker brüderlich und vertrauensvoll in gegenseitiger Unterstützung einbezogen sind.
Ja, sehr verehrter Herr Bundespräsident, wir – die hier anwesenden Diplomaten – glauben fest an das, was wir Ihnen und Deutschland wünschen.
Wir wünschen Ihnen ein fruchtbares und gottgesegnetes Neues Jahr!



