Ansprachen

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Ansprache
des Apostolischen Nuntius,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
beim Ökumenischen Gottesdienst anlässlich des Festes des Hl. Josef

(St. Joseph-Krankenhaus zu Berlin-Tempelhof, 18. März 2010)


 
 

Deus providebit

„Deus providebit“: „Gott sorgt“, oder besser: „Gott wird sorgen“.
Warum?

Liebe Ordensschwestern aus der Gemeinschaft der Schwestern von der heiligen Elisabeth,
sehr geehrte Mitglieder des Krankenhausdirektoriums,
sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Sie feiern heute - am Vortag des Festes des heiligen Josef – in diesem Rahmen das Patronatsfest Ihres Hauses, des St. Joseph-Krankenhauses, das seit mehr als achtzig Jahren im Dienste der kranken Menschen steht. Dieser ökumenische Gottesdienst ist Ausdruck unseres Dankes an Gott für alle Gaben, die er der Gemeinschaft der Schwestern der heiligen Elisabeth, den Ärzten, den Krankenschwestern und Pflegern und ungezählten Patienten geschenkt hat.

Liebe Brüder und Schwestern!

Es ist für uns alle eine Gnade, heute an diesem Gottesdienst teilzunehmen, weil er uns die Möglichkeit gibt, in Dankbarkeit gegenüber Gott – und den Elisabethschwestern – besser und tiefer wahrzunehmen und in unserem Bewusstsein zu behalten, dass nur die Liebe – die Liebe zu Gott und zum Nächsten – die Kraft gibt, in dieser Welt, die voller Wechsel ist, etwas Dauerhaftes zu schaffen und zu bewahren. Wir haben gerade vom Apostel Paulus gehört, dass „die Liebe niemals aufhört“ (1 Kor 13, 8), so dass sie wachsen lässt, was sie am Anfang gesät hat, und sie in Beharrlichkeit „alles erträgt, alles glaubt, alles hofft, allem standhält“ (1 Kor 13, 7). Dieses Krankenhaus gibt davon Zeugnis; und Sie, liebe Schwestern, sind wie am Anfang die Hauptträgerinnen dieser Gottesgabe, die Hauptzeuginnen dafür, dass „Gott die Liebe ist“ (1 Joh 4, 16), und tragen durch Ihr Engagement für den Nächsten dazu bei, dass Gottes Liebe in unserer Welt Wirklichkeit wird. Wie viele überzeugte Christen im Dienste der kirchlichen Hilfswerke und der anderen karitativen Einrichtungen der Kirche überall auf der Erde geben jenem Fotoreporter recht, der zwar sagte, er glaube nicht an Gott, aber, nachdem er die ganze Welt bereist hatte, feststellte: „aber ich habe Gott am Werk gesehen in den vielen Hilfswerken von Ordensfrauen in Kinderheimen, Waisenhäusern, Krankenhäusern und Gesundheitszentren: überall, wo ich für meine Arbeit unterwegs war.“ Ja, das Gute macht keinen Lärm, doch ist es nicht zu übersehen: Wie der Weihrauch zum Himmel, so steigt der Wohlgeruch guter Werke als Opfer zu Gott empor und lässt die Nächstenliebe weiter wachsen.

In dieser Beziehung ist der heilige Josef, den wir heute als Schutzpatron besonders verehren, für uns ein Vorbild. Man nennt ihn zu Recht den „Schweigenden“, weil uns die Heilige Schrift kein Wort aus seinem Mund berichtet. In seiner beharrlichen Hingabe und seinem Gehorsam ist er zum „Wort“ geworden, zum „Lob Gottes“ durch seine Haltung. Als er durch den Engel des Herrn aufgefordert wurde, Maria als seine Frau zu sich zu nehmen (vgl. Mt 1, 20), nachdem er vorher daran gedacht hatte, sich in aller Stille von ihr zu trennen, weil sie ein Kind erwartete, bevor sie zusammengekommen waren, da nahm Josef die ihm übertragene Verantwortung ohne Zögern wahr. Um seine staatsbürgerlichen Pflichten zu erfüllen, ging er - wie es im Lukasevangelium heißt - „von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete“ (Lk 2, 4f.), so dass Jesus in Betlehem geboren wurde. Nach dem Besuch der Magier empfing er - wiederum im Traum - die Weisung des Engels: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten“ (Mt 2, 13).

Genau wie Abraham, der Vater des Glaubens, d. h. ganz und gar unter dem Willen Gottes, hat Josef sein Leben mit der besonderen ihm anvertrauten Sendung ausgefüllt. In noch einem anderen Punkt sollen wir den heiligen Josef zum Vorbild nehmen. Im Vesperhymnus der lateinischen Ausgabe des Stundengebetes heißt es, dass er „wie die Engel im Himmel schon hier auf Erden die gnadenreiche Gegenwart Gottes genießen konnte“. Das ist eine Einladung, das Gleiche zu erleben – aber wie? Wir finden die Antwort im Vaterunser, in dem Jesus uns zu beten lehrt: „Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde.“ Wenn unsere Wurzeln durch unser Gebet und im Glauben bis zum Himmel – zu Gott – reichen, dann geschieht in uns und durch uns etwas, woran uns der Apostel Paulus in der Lesung erinnert hat, dass wir nämlich aus der Liebe, aus der Gegenwart Gottes in uns leben: „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf, … sie sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach“ (1 Kor 13, 4f.). Es scheint, als ob der Apostel Paulus vor unseren Augen das Bild des heiligen Josef malt. Sicher aber ist, dass der heilige Josef, ja jeder Heilige – besonders auch die heilige Elisabeth – so beschrieben werden kann, und auch wir, wenn wir unser Leben von Gott ausfüllen lassen.

Dieses Krankenhaus ist ein lebendiges Zeugnis dafür, dass für Sie alle – die Ordensschwestern, die Hausleitung, alle hier Tätigen – Gott die Quelle der Liebe ist, die Sie schenken. Ihre Teilnahme an diesem festlichen Gottesdienst macht das sichtbar. Ich freue mich, in diesem Rahmen besonders auch die Jubilare, die auf zehn bzw. zwanzig Jahre Dienst in diesem Haus zurückschauen, begrüßen zu können, und auch die, die hier früher gearbeitet haben.

Möge diese Feier anlässlich des Festes des heiligen Josef für uns alle eine Stunde dankbaren Innehaltens sein, die unseren Weg erleuchtet und uns Kraft gibt, nicht zuletzt den Patienten und ihren Besuchern.