Ansprachen
„Die Schöpfung bewahren, um den Frieden zu fördern“
Festvortrag
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
anlässlich der Feier des Weltfriedenstages des Instituts für Theologie und Frieden
(Katholische Akademie in Hamburg, 17. Juni 2010)
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Konsularischen Corps in Hamburg,
meine Damen und Herren!
Das Thema meiner Ansprache zum „Friedenstag 2010“ hier in Hamburg ist unmittelbar der Botschaft Papst Benedikts XVI. zur Feier des Weltfriedenstages am 1. Januar 2010 entnommen. Aus ihr möchte ich Gedanken schöpfen – auch im Hinblick auf die beiden Klimakonferenzen des Jahres: vor einigen Monaten in Kopenhagen und gegen Ende des Jahres in Mexiko.
Es geht mir nicht darum, Lösungen vorzuschlagen, sondern Ihnen Grundgedanken vorzutragen, die uns helfen können, der Schöpfung gegenüber eine reflektierte Haltung zu haben. Wie Sie vermuten werden, ist die Quelle meiner Darlegungen die Lehre der Kirche und insbesondere ihre Soziallehre. Da diese Festversammlung zum Friedenstag unter der Mitwirkung des Instituts für Theologie und Frieden durchgeführt wird, scheint es mir in besonderer Weise naheliegend, über Konflikte zu sprechen, die zu vermeiden sind, sofern man auf Dialog, Verträge und Zusammenwirken setzt. Wenn wir hier von Frieden sprechen, geht es ja nicht um den Frieden der Friedhöfe, sondern um ein freundliches, ja friedliches Zusammenleben.
Über drei Herausforderungen möchte ich zu Ihnen sprechen:
1. dass Gott dem Menschen die Schöpfung anvertraut hat,
2. wie der Mensch diese Verantwortung wahrnimmt, grundsätzlich und geschichtlich,
3. was diese Verantwortung für die Menschheit bedeutet – unter besonderer Berücksichtigung der heutigen Globalisierung.
Ein vierter Ansatz soll all das - in angepasster Weise - in einem Musterbeispiel zusammenfließen lassen: die Verwendung des Wassers als Mittel des Friedens oder des Krieges.
1. Gott hat die Schöpfung dem Menschen anvertraut, wie wir im priesterschriftlichen Schöpfungsbericht des Buches Genesis beim sechsten Schöpfungstag lesen: „Gott schuf den Menschen als sein Abbild. Als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch“ (Gen 1, 27f.). Im Hinblick auf das Verhältnis des Menschen zur übrigen Schöpfung macht diese Darstellung der Erschaffung des Menschen eine grundlegende Aussage: Der Mensch ist der Herr der Schöpfung und soll durch sein Handeln dem Vertrauen gerecht werden, das Gott ihm entgegenbringt. Bald aber hat sich der Mensch unabhängig gemacht, wie es in der jahwistischen Erzählung vom Sündenfall im Bild des Essens vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse erzählt wird (volkstümlich: im Essen des Apfels), so dass seine Herrschaft über die Schöpfung nicht mehr einfach gegeben ist, sondern durch Schweiß erlangt werden muss (vgl. Gen 3, 1-19).
Dazu schreibt Papst Benedikt XVI. in seiner diesjährigen Botschaft zum Weltfriedenstag: „Nicht weniger (als die anderen Gefährdungen des Friedens) besorgniserregend sind jedoch jene Gefahren, die vom nachlässigen – wenn nicht sogar missbräuchlichen – Umgang mit der Erde und den Gütern der Natur herrühren, die uns Gott geschenkt hat“ (Nr. 1).
Gott erweist dem Menschen Vertrauen, da er ihm die Herrschaft über die Schöpfung überträgt: Er soll sie nach dem Plan ihres Urhebers pflegen. Wie wir bei jedem Mittel die abgedruckte Gebrauchsanweisung sorgfältig lesen – z. B. um ein neues Programm im Computer zu installieren -, so ist es auch für den Gebrauch der Schöpfung unerlässlich, die Absicht des Schöpfers vor Augen zu haben, wenn wir sein Werk zu unserem Wohlbefinden nutzen wollen.
In den Evangelien finden wir viele Gleichnisse, in denen Christus uns anschaulich macht, wie sich unser Mitwirken mit Gott vollziehen soll, z. B. im Gleichnis von der selbstwachsenden Saat, wo es heißt: „Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Same keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie“ (Mk 4, 26f.). Es gibt also ein Zusammenwirken von Gott und dem Menschen in allen menschlichen Handlungen, so dass das Endergebnis ganz das Werk Gottes ist und zugleich ganz das Werk des Menschen. Hätte der Sämann den Boden nicht vorbereitet, gepflügt und bestellt und den Samen nicht an der rechten Stelle gesät (vgl. Mt 13, 3-8), wäre der Same machtlos gewesen.
Der Katechismus der Katholischen Kirche fasst dieses Zusammenwirken Gottes und des Menschen in dem Satz zusammen: „Die Welt ist nicht das Ergebnis irgendeiner Notwendigkeit, eines blinden Schicksals oder des Zufall. Wir glauben, dass sie aus dem freien Willen Gottes hervorgeht, der die Geschöpfe an seinem Sein, seiner Weisheit und seiner Güte teilhaben lassen wollte“ (KKK 295). Das „Teilhaben“ ist für uns ein Grundsatz unseres Handelns, wenn es uns darum geht, die Schöpfung im Sinne ihrer ursprünglichen Zielsetzung mit Erfolg zu beherrschen und zugleich zu unserem Vorteil und unserer Vervollkommnung zu nutzen. In seiner Botschaft zitiert Papst Benedikt in diesem Zusammenhang den Philosophen Heraklit von Ephesus (ca. 535 – 475 v. Chr.), der schrieb, dass die Natur uns nicht wie „ein Haufen von zufällig zerstreutem Abfall“ zur Verfügung stehe (Ms. 6). In diesem Falle wären wir alle wie die Armen, die sich ihren Lebensunterhalt täglich auf den Müllhalden außerhalb der Großstädte oder in den Abfallkörben der Bahnhöfe suchen.
Deshalb ist es für jeden eine moralische Verpflichtung, auf die Schöpfung zu achten, wenn ihm der Erfolg des eigenen Lebens, ja auch schon das physische Überleben ein Anliegen ist.
2. So stehen wir vor der zweiten Herausforderung: Wie nimmt der Mensch seine Verantwortung gegenüber der Schöpfung wahr?
Um diese Frage in ihrer vollen Tragweite zu verstehen, ist es nötig, den Standpunkt unserer Beobachtung zu bestimmen. Denn wir wissen wohl, dass das Ergebnis anders ist, je nachdem, ob ich etwas von oben her oder von unter anschaue, von fern oder aus der Nähe. Für die Beziehung des Menschen zur Schöpfung gibt es besonders zwei Hauptpositionen, die anthropozentrische und die ökozentrische (vgl. Eberhard Schockenhoff, Anthropozentrische und ökozentrische Ethik, in: Anton Rauscher [Hrsg.], Handbuch der Katholischen Soziallehre, 397-410). In der ersten wird die Beziehung Schöpfung – Mensch aus der Perspektive der Nutzung der Schöpfung zum Vorteil des Menschen und seiner Ziele betrachtet, in der zweiten verweigert man sich übertriebenen Eingriffen des Menschen in die Natur, die zu ökologischen Desastern führen können. Deshalb sind zwei Grundprinzipien zu beachten, wenn die Herrschaft des Menschen über die Natur zu ihrer Bewahrung und Vervollkommnung dienen soll. Papst Benedikt schreibt dazu in seiner Botschaft: „Um die Menschheit zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Umwelt und der Ressourcen der Erde zu führen, ist der einzelne dazu berufen, seine Intelligenz im Bereich der wissenschaftlichen Forschung und Technologie sowie in der Anwendung der daraus resultierenden Entdeckungen einzusetzen“ (Nr. 10). So ermöglicht uns die Wissenschaft heute, die Solarenergie und die Bioenergie als Ersatzenergie - oder besser Komplementärenergie - zu nutzen. Über diese Errungenschaften der menschlichen Vernunft hinaus spricht der Papst auch die Problematik des Wassers an, die Bedeutung der Klimaforschung für die Landwirtschaft und der Waldwirtschaft. Er stellt fest: „Insgesamt ist es erforderlich, die Logik des bloßen Konsums hinter sich zu lassen, um landwirtschaftliche und industrielle Produktionsformen zu fördern, die die Schöpfungsordnung achten und den primären Bedürfnissen aller Rechnung tragen“ (Nr. 10).
Die Geschichte der Wissenschaft, die in allen Bereichen große Erfolge zugunsten des Menschen vorweisen kann, macht uns stolz und zugleich Gott gegenüber dankbar dafür, dass der Mensch seine Fähigkeiten zur Herrschaft über die Schöpfung durch eine immer intensivere und erfolgreichere Forschung so weit hat entfalten können. Denken wir nur an das Internet, das jeden von uns mit der ganzen Welt in Verbindung setzt und einen immer größeren Austausch von Kenntnissen ermöglicht.
Je mehr der Mensch die Schöpfung beherrscht, desto größer ist seine Verantwortung dafür, dass er sich selbst in Richtung auf eine größere Authentizität hin vervollkommnet. Wir kennen ja die Antwort eines Alfred Nobel auf die Frage nach der Verantwortung, die er als derjenige trage, der die sichere Zündung des Nitroglyzerin gefunden hatte. Nachdem dessen Erfinder, Ascanio Sobrero, den Sprengstoff wegen seiner Gefährlichkeit als nicht praxistauglich ansah, machte Nobel ihn durch die richtige Mischung, die er Dynamit nannte, beherrschbar und sicher. Unter dem Einfluss der bekannten Pazifistin Bertha Sophie Baronin von Suttner stellte Alfred Nobel den Großteil seines Vermögens als Fonds für eine Stiftung zur Verfügung, dessen Erträge jährlich zu fünf gleichen Teilen als Preise „denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“ (so im Testament von Alfred Nobel). Als Sachgebiete für die Preise bestimmte Nobel die drei Grundwissenschaften Physik, Chemie und Physiologie oder Medizin, sowie die Literatur; als fünften Preis schließlich stiftete er den Friedenspreis, der laut Testament dem verliehen werden soll, „der am meisten oder am besten für die Verbrüderung der Völker und für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen gewirkt hat“. Als dessen fünfte Preisträgerin wurde Bertha von Suttner gewählt.
In der Verleihung der Nobelpreise kann man leicht feststellen, wie der Einsatz einzelner Menschen in ganz unterschiedlichen Bereichen sich oft zum Wohl aller ausgewirkt hat. Das führt uns zur Betrachtung unserer dritten Herausforderung.
3. Als Mitarbeiter Gottes in der Herrschaft über die Schöpfung ist der Mensch gerufen, nicht egoistisch zu denken und zu handeln, sondern solidarisch. Der Grund dieser ethischen Norm liegt nicht in einer großzügigen Selbstlosigkeit des Menschen, sondern in der Sozialpflichtigkeit der Güter der Schöpfung. Was ist damit gemeint?
In der Soziallehre der Kirche ist das Prinzip klar, dass Privateigentum von der Sozialnatur des Menschen her bestimmten Grenzen unterliegt. Wenn es auch zutrifft, dass das Privateigentum für die Autonomie und Entwicklung der Menschen ein grundlegendes Recht ist, so stellt der Güterbesitz aber kein absolutes Recht dar, sondern trägt die ihm eigenen Grenzen in sich(vgl. Papst Johannes Paul II., Enzyklika „Centesimus Annus“ [1. Mai 1991] Nr. 30). „Hier liegt die Wurzel der universalen Bestimmung der Güter der Erde“,schreibt Papst Johannes Paul II., nachdem er in Erinnerung gerufen hat: „Gott hat die Erde dem ganzen Menschengeschlecht geschenkt, ohne jemanden auszuschließen oder zu bevorzugen, auf dass sie alle Mitglieder ernähre“ (ebd. 31).
Diese Lehre greift Papst Benedikt XVI. in seiner Botschaft zum diesjährigen Friedenstag auf, wenn er schreibt: „Das Schöpfungserbe gehört der gesamten Menschheit. Dagegen bringt das derzeitige Tempo der Ausbeutung die Verfügbarkeit einiger natürlicher Ressourcen nicht nur für die gegenwärtige, sondern vor allem für die zukünftigen Generationen in Gefahr“ (Nr. 7). Es wird also Solidarität nicht nur horizontal mit allen heute auf der Erde lebenden, sondern auch vertikal mit den zukünftigen Generationen verlangt. Wenn hier von „Erbe“ die Rede ist, geht es gerade um diese historische Verantwortung; denn Güter gehen normalerweise mit Wertsteigerung von einer Generation zur nächsten über. Wie schon erwähnt, ist in den Wissenschaften, in Kultur und Kunst unser menschliches Erbe immer größer geworden. Und das gehört zur Verantwortung des Menschen, dem die Herrschaft über die Schöpfung übertragen ist. Aber es besteht auch die Gefahr, dass dieses Erbe ausgebeutet wird, d. h. nicht mehr zur Vervollkommnung der Menschheit dient, sondern zu ihrer Vernichtung.
4. Ich möchte das Gesagte mit praktischen Beispielen aus dem Bereich des Wassers und des Wassergebrauchs illustrieren. Hier in Hamburg mit dem Strafgerichtshof für das Seerecht sind die Tatbestände wohl bekannt. Der Vertreter Maltas in der UN-Vollversammlung stellte am 1. November 1967 den Antrag, dass „ein wirksames internationales Regime für den Meeresboden und den Meeresboden außerhalb einer klar definierten nationalen Gerichtsbarkeit“ geschaffen werde. Hier geht es nicht direkt um das Wasser als solches, sondern um die Verfügungsgewalt über die Güter auf und unter dem Meeresboden, besonders Öl und Gas, und im Wasser um die Fischereirechte und schließlich um die exklusiven Rechte eines Staates über das Meer an seinen Küsten. Konsequenterweise wird die Hohe See als „gemeinsames Erbe der Menschheit“ anerkannt. Konventionen regeln die Verwaltung des für alle offene Meeresgebiet. Für die Verwaltung ist die Internationale Meeresbodenbehörde zuständig. Das entsprechende Übereinkommen trat am 16. November 1994 in Kraft.
Wir kennen Meinungsverschiedenheiten zwischen Nachbarstaaten um Meerengen wie z. B. zwischen Kroatien und Slowenien oder im Donaudelta zwischen Rumänien und der Ukraine. Der erwähnte Antrag von 1967 entspricht in seinen Forderungen genau den Grundprinzipien der Beziehungen zwischen der Schöpfung und dem Menschen in seiner Herrschaft über das, was allen gehört, notwendig ist also Solidarität und Sparsamkeit bei der Ausbeutung der im Meer enthaltenen Güter. Der Überwindung potentieller Konflikte in diesem Bereich dienen der Dialog und der Rekurs zum Internationalen Gerichtshof – vergleichbar dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag – und, falls nötig, zum Strafgerichtshof für das Seerecht hier in Hamburg. Das Recht dient dem Frieden: Das in der Sache Richtige soll zugunsten aller Beteiligten umgesetzt werden.
Ein anderes Thema aus dem Bereich Wasser ist die Verfügung über Quellen, Ströme und Flüsse. Für alle großen Ströme gibt es – was ihre Nutzung angeht – eine Konvention zwischen den Staaten, durch die sie fließen, um eine Abstimmung der Interessen zu gewährleisten, so z. B. die Donaukonvention. Es geht nicht nur darum, einen geordneten Schiffsverkehr sicherzustellen, sondern auch die Wasserentnahme so zu ordnen, dass die Interessen aller Anrainerländer angemessen berücksichtigt werden. Die Meinungsverschiedenheiten sind wohl bekannt, die auftreten, wenn ein Land das Wasser des Stromes für eigene Projekte - besonders zur Elektrizitätsgewinnung - durch riesige Stauwerke bei sich behält. Dazu kommen oft Auswirkungen auf das Mikroklima, u. U. auch auf das Makroklima für eine ganze Region.
Jetzt noch etwas anderes: Es sind Fragen, die an alle gerichtet sind, die jeder aber nur für sich beantworten soll. So lautet eine - vielleicht banal klingende - Frage: Wie viel Wasser braucht man für eine Tasse Kaffee? Vor kurzem habe ich in einer Fernsehsendung die Antwort gehört: 130 Liter! Ja, 130 Liter! Es geht also nicht nur um die wenigen Tropfen Wasser im italienischen Espressogerät, sondern um das Wasser, das man für die Produktion der Kaffeepflanzen, die Verarbeitung der Kaffeebohnen usw. braucht. Vielleicht sollte man das Spülwasser für die Tasse noch hinzufügen?
Die gleiche Frage stellt sich im Hinblick auf alle menschlichen Aktivitäten. Wer die Mittel hat - in unserem Fall das Wasser -, nutzt sie oft, ohne an die Kosten seines Tuns zu denken. Die Gebühren für die Benutzung des Telefons werden am Monatsende abgebucht - die Kosten für die Ausbeutung der Schöpfung müssen wir mit den heutigen Klimaveränderungen bezahlen. Einige Erfahrungen können uns - hie und da – nachdenklich machen. Als ich während des Bosnienkrieges Sarajewo besuchen konnte – dank der „Maybe Airline“ unter der Verantwortung der Vereinten Nationen -, war ich im Erzbischöflichen Haus untergebracht. Nun war in jenen Tagen die gesamte Wasserversorgung der Stadt zusammengebrochen. Das Haus aber hatte im Hof einen Brunnen, von dem sich alle Einwohner des Viertels Wasser holten. Das Bischofshaus nahm für sich jeden Tag ein Fass von zehn Litern. So bekam ich zum Waschen und Rasieren ein großes Glas Wasser. Erstaunlicherweise blieb am zweiten Tag nach dem Rasieren, Zähneputzen und Waschen noch etwas Wasser im Glas. Heute - im Zeitalter der Globalisierung - ist die ganze Welt aufgerufen, mit den Gütern der Erde sparsamer und vorsichtiger umzugehen.
Dazu sagt Papst Benedikt in seiner Botschaft zum diesjährigen Weltfriedenstag: „Die ökologische Krise zeigt die Dringlichkeit einer Solidarität auf, die sich über Raum und Zeit erstreckt“ (Nr. 8). Und er weist auf die historische Verantwortung der Industrieländer gegenüber der Schöpfung hin, aber auch die Entwicklungsländer und besonders die Schwellenländer sieht er in der Verpflichtung, denn „Schritt für Schritt wirksame umweltpolitische Maßnahmen zu ergreifen, kommt allen zu. Dies könnte leichter verwirklicht werden, wenn es weniger eigennützige Rechnungen bei den Hilfeleistungen sowie in der Weitergabe von Wissen und sauberen Technologien gäbe“ (Nr. 8).
Leider wird im Hinblick auf die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung zu wenig dafür Sorge getragen, dass rechtzeitig die nötigen Schutzmaßnahmen geplant und entsprechende Geräte und Materialien im Voraus zur Verfügung stehen, so dass sie eingesetzt werden können, wenn etwas nicht nach Plan verläuft. Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zeigt, wie der Mensch zu leichtfertig auf seine eigenen Kräfte vertraut und Risiken eingeht, denen er nicht gewachsen ist. Das Gleiche gilt für Bauwerke auf unsicherem Boden wie bei den Favellas vor Rio oder der neuen U-Bahn-Linie in Köln, bei deren Bau das Stadtarchiv einstürzte. Man pflegt zu sagen: Die Natur rächt sich, wenn man sie zügeln will. Nein! Es geht um Vorsicht und Weisheit in der Beziehung des Menschen zur Schöpfung.
An den Schluss meiner Darlegungen stelle ich ein Wort von Papst Benedikt XVI., der in seiner Friedensbotschaft schreibt: „Die ökologische Krise bietet die historische Gelegenheit, eine kollektive Antwort zu erarbeiten, die darauf abzielt, das Modell globaler Entwicklung in eine Richtung zu lenken, die der Schöpfung und einer ganzheitlichen Entwicklung des Menschen größeren Respekt zollt, weil es sich an den typischen Werten der Nächstenliebe in der Wahrheit orientiert“ (Nr. 9).
Knapp zusammengefasst: „Willst du den Frieden, so bewahre die Schöpfung!“



