Predigt von Nuntius Eterovic am 28. Sonntag im Jahreskreis

Apostolische Nuntiatur, 11. Oktober 2020

(Jes 25,6-10; Ps 23; Phil 4,12-14; Mt 22,1-14)

„Denn viele sind gerufen, wenige aber auserwählt“ (Mt 22,14).

Liebe Schwestern und Brüder!

Gott lädt alle Völker zum Festmahl, das er bereitet (I). Leider nehmen die Glieder des erwählten Volkes diese Einladung nicht an, so daß sich Gott den Heiden zuwendet (II). Im Gleichnis des Matthäusevangeliums lehrt Jesus, daß zur Teilnahme am Festmahl das Hochzeitsgewand nötig ist (III). Öffnen wir unsere Herzen dem Heiligen Geist, damit er uns den wahren Sinn des Wortes Gottes verstehen lässt und uns die Kraft gibt, sie in die Tat umzusetzen.

1. Der Herr bereitet ein Festmahl für alle Völker.

Nach dem Propheten Jesaja wird der Herr der Heerscharen auf dem Zion „für alle Völker“ (Jes 25,6) ein üppiges und erlesenes Festmahl bereiten. Zugleich zerreißt der Herr „die Hülle, die alle Völker verhüllt“ (Jes 25,7), das heißt, er nimmt die religiöse Ignoranz weg, in der die Völker leben. Daß es sich um ein endzeitliches Bankett handelt, zeigen die näheren Angaben zum von Leid und Tod befreiten Leben, also einem Leben ohne Tränen: „Er hat den Tod für immer verschlungen und GOTT, der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen“ (Jes 25,8). Diese inspirierte Vision des Propheten wird sich beim Kommen des Herrn Jesus verwirklichen. Tatsächlich haben wir im heutigen Evangelium gehört, wie der Herr Jesus das Bild vom messianischen Festmahl aufgreift und darlegt, daß es sich um das Bankett eines Königssohnes handelt. Aus der biblischen Erzählung erschließt sich leicht, daß der König Gottvater ist, der die Hochzeit für seinen Sohn Jesus vorbereitet.

2. Die Eingeladenen waren der Einladung zum Festmahl nicht würdig.

In einem polemischen Ton wendet sich der Herr Jesus in dem Gleichnis „an die Führer und Ältesten des Volkes“ (Mt 21,23), also die Repräsentanten des jüdischen Volkes. Mit starken und eindrücklichen Bildern hält er ihnen ihr Verhalten vor, wie auch das ihrer Väter gegenüber den Einladungen von JHWH, welche die Propheten verkündet hatten. Aus der Erzählung folgt klar, daß Gott das messianische Festmahl nicht aufgegeben hat. Geduldig lädt er die Glieder Israels immer wieder ein, an der Hochzeit seines Sohnes teilzunehmen. Angesichts ihrer ablehnenden Haltung kündigt er das Festmahl nicht einfach auf, sondern lädt andere dazu ein. „Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren nicht würdig. Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein“ (Mt 22,8-9).

Warum haben die zuerst Eingeladenen diese Einladung abgelehnt? Der Herr Jesus gibt in einer dramatischen Erzählung verschiedene Gründe an, wobei sie sich steigert von der Ignoranz der Einladung gegenüber bis hin zur Gewalt und Ermordung der Diener, welche die Bitte zur Hochzeit überbringen. In diesem Verhalten können wir auch die Antworten unserer Zeitgenossen auf den Ruf Gottes erkennen. Die erste Haltung ist die Verstocktheit der Herzen. Die Diener haben ihren Auftrag erfüllt und die Einladung zur Hochzeit überbracht, doch die Eingeladenen „wollten nicht kommen“ (Mt 22,3). Viele heutige Menschen leben in einer religiösen Gleichgültigkeit, als ob es Gott nicht gäbe und als ob sie nicht zum Festmahl eingeladen wären. In seiner Güte lässt der König nicht locker, und seine Diener versuchen daher, den Grund für die Einladung zu erklären: „Siehe, mein Mahl ist fertig, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!“ (Mt 22,4). Die Diener Gottes versuchen, den Eingeladenen den Ruf verständlich zu machen und unterstreichen die Bedeutung dieses Ereignisses. Diese Haltung zeigt auch uns, daß es nicht ausreicht, das Evangelium zu predigen, den Glauben zu begründen (vgl. 1 Petr 3,15) und dabei auch die modernen Kommunikationsmittel einzusetzen. Unserer menschlichen Kraft muss die Gnade des Heiligen Geistes vorausgehen, die uns dann auch begleitet, denn Er ist einzig in der Lage, die Herzen der Menschen zu öffnen, damit sie das Wort Gottes aufnehmen. Die zur Hochzeit Eingeladenen haben diesem Ruf völlig überflüssige Dinge vorgezogen: für einige war es wichtiger, das eigene Feld zu bestellen, andere wollten lieber ihren Geschäften nachgehen. Auch der zeitgenössische Mensch gibt diese Entschuldigungen an, um das Ausschlagen der Einladung des Herrn zu rechtfertigen. Den im Gleichnis angeführten Gründen könnten wir heute sportliche Aktivitäten, Ausflüge oder das Wochenende hinzufügen, so viele vorgeschobene Gründe, um sonntags oder an den Feiertagen nicht in die Kirche zu gehen, um am eucharistischen Mahl teilzunehmen. Noch schlimmer treiben es jene, welche die Diener des Königs nicht nur beleidigen, sondern sie gar umbringen (vgl. Mt 22,6). Leider erleben wir heute eine größere Verfolgung von Christen als zu den ersten Zeiten des Christentums, woran der Heilige Vater öfter erinnert. Allein im Jahr 2019 wurden 29 Seelsorger und Katecheten umgebracht, 18 Priester, ein ständiger Diakon, zwei Ordensfrauen, zwei Ordensmänner und sechs Laien.

3. Es ist nötig, das Hochzeitsgewand anzulegen.

Die Ablehnung der Glieder des erwählten Volkes hat den König empört und eine doppelte Reaktion bewirkt. Zunächst hat er die Mörder bestraft, sie töten lassen und ihre Stadt niedergebrannt. Es handelt sich um eine Anspielung auf die Zerstörung Jerusalems durch die Truppen des späteren römischen Kaisers Titus im Jahr 70. Danach veranlasst die Ablehnung Israels, am Festmahl teilzunehmen, den König dazu, die Heiden einzuladen, die bereitwillig den Festsaal füllen.
Beim Eintritt in den Saal bemerkt der König jedoch, daß einer der Gäste kein hochzeitliches Gewand trägt und fragt ihn daher: „Freund, wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen?“ (Mt 22,12). Weil der Angesprochene schweigt, befiehlt der König den Dienern, ihn hinaus in die Finsternis zu werfen, wo „Heulen und Zähneknirschen sein wird“ (Mt 22,13).

Liebe Brüder und Schwestern, diese Erzählung zeigt, daß zur Teilnahme am Hochzeitsmahl des Herrn Jesus, also zur Eucharistiefeier, ein hochzeitliches Gewand nötig ist. Dieses Gewand erhalten wir vom König, der zur Hochzeit des Sohnes einlädt. Es handelt sich dabei um die Gnade, die würdig macht, am messianischen Festmahl teilzunehmen. Man erhält sie vor allem durch das Sakrament der Versöhnung, in dem Gott die Sünden vergibt und in uns seine Gnade erneuert, was zum Empfang des Leibes Christi unverzichtbar ist. Die Eucharistie ist nicht einfach ein sozialer Ritus, sondern ein Sakrament, das den Glauben an die reale Gegenwart Jesu Christi unter den Gestalten von Brot und Wein voraussetzt, wie auch ein reines Herz, das Gott allein dem Christen schenken kann. Das war schon bei den ersten christlichen Gemeinschaften klar. Im ersten Bericht zur Feier der Eucharistie schreibt der Heilige Paulus: „Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn“ (1 Kor 11,26-27).

Der letzte Satz des heutigen Evangeliums: „Denn viele sind gerufen, wenige aber auserwählt“ (Mt 22,14) bezieht sich am Anfang auf das ablehnende Verhalten der Juden Jesus gegenüber, vor allem ihrer offiziellen Vertreter. Doch diese Maxime bleibt immer gültig, auch für uns, die wir aus den Heidenvölkern hervorgegangen sind, die der Einladung des Königs bereitwillig gefolgt sind, an der Hochzeit seines Sohnes teilzunehmen. Sicher, Gott will, daß alle Menschen gerettet werden (vgl. 1 Tim 2,4). Seine Einladung zum messianischen Festmahl bleibt offen für alle Völker, das heißt für alle Menschen. Es hängt von ihnen ab, von jedem von uns, von unserer persönlichen Antwort auf diese Einladung zum Heil, die stets auch die Gemeinschaft betrifft, in der wir leben.

Die Gottesmutter Maria ist eine der wenigen, die aus den vielen seines Volkes Israel erwählt wurde. Vertrauen wir ihrer mächtigen Fürsprache nicht nur die Bitte an, wir alle mögen zur Zahl der Erwählten hinzugezählt werden, sondern daß diese Anzahl so groß wie möglich sei und den großherzigen Willen Gottes erreiche, der nicht aufhört, auf seinem heiligen Berg ein Festmahl für alle Völker vorzubereiten (vgl. Jes 24,6). Amen.

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