Predigten

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Predigt
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
beim 28. Ökumenischen Sportschiffer-Gottesdienstes

(„Heilandskirche am Port von Sacrow“ zu Potsdam, 26. September 2009)



„Mit Christus am Steuer“

Liebe Brüder und Schwestern in Christus!

„Mit Christus am Steuer“ ist das Motto unseres heutigen Treffens. Was bedeutet das, was sollen wir mit Christus tun? Das Bild scheint uns auf den ersten Blick vielleicht übertrieben, als ob Christus der Kapitän unseres Schiffes, unseres Lebens wäre und wir deshalb nur eine Nebenrolle zu spielen hätten.

Lassen Sie uns in das Thema eintauchen, um von ihm Bereicherung zu erfahren. Wenn wir aus der Heiligen Schrift Anweisungen für unser Leben schöpfen, dann wissen wir uns auf dem rechten Weg, mit guter geeigneter Ausrüstung ausgestattet. Alle hier anwesenden Schiffer wissen, wie unbedingt notwendig es ist, eine Fahrt nicht nur mit einem guten Schiff oder Boot, sondern auch mit der nötigen Ausrüstung für sich selber und ebenso für die Mitfahrenden zu unternehmen.

Es geht erstens um das Mitfahren mit Jesus im selben Schiff,
zweitens geht es um unseren Platz im Schiff oder – besser gesagt – um unsere Beziehung zu Christus während unserer Lebensfahrt,
und drittens geht es um die Fahrt selbst, die wir mit Christus und allen unseren Gefährten machen.

1. Warum sind wir im gleichen Schiff mit Christus? Ganz einfach deswegen, weil wir Christen sind. Als Getaufte gehören wir zu seiner Kirche, die schon in ihren frühesten bildlichen Darstellungen als Schiff auf dem See der Welt zu sehen ist. Schon die Evangelien bieten Ansatzpunkte für ein solches Verständnis. Waren nicht die vier ersten Jünger Jesu - Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes -, die in Betsaida am Ufer des Sees von Galiläa als Fischer arbeiteten (vgl. Mk 1, 16-20), sehr eng mit dem See verbunden? Man sieht sie mit anderen, die er inzwischen berufen hat, nach seinem Tod und seiner Auferstehung am gleichen Ort ihrem alten Beruf nachgehen (vgl. Joh 21, 1-14). Und es bedurfte bei der Begegnung mit dem auferstandenen Jesus dort am See eines überwältigenden Fischfanges – 153 große Fische – damit der jüngste – Johannes – zu Petrus sagen konnte: „Es ist der Herr“ (Joh 21, 7). Wir kennen die andere Begebenheit, wie Jesus im Boot schlief, obwohl ein Sturm das Boot in Gefahr brachte (Mk 4, 35-41). In der Nacht nach der Speisung der Fünftausend  kam Jesus auf den Fluten des Sees zu den Jüngern, die „sich beim Rudern abmühten, denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache ging er auf dem See zu ihnen hin“ (Mk 6, 48). Es bleibt noch zu erwähnen, wie Jesus einmal, als ihn das Volk umdrängte, in das Boot des Simon Petrus stieg und das Volk vom Boot aus lehrte (Lk 5, 3). Nach der Predigt forderte Jesus Petrus auf, die Netze zum Fange auszuwerfen. Trotz aller Bedenken wegen der erfolglosen Arbeit in der vorangegangenen Nacht sagte er: „Weil du es sagst, will ich die Netze auswerfen“ (Lk 5, 5). Das Ergebnis war eine Art Fischwunder, so dass „ihre Netze zu reißen drohten“ (Lk 5, 6).

Bei all diesen Begebenheiten ist Jesus - obwohl er kein Fischer ist, sondern „der Sohn des Zimmermanns“ (Mt 13, 55), die zentrale Gestalt - derjenige, der das Schiff und alles, was mit dem Schiff zu tun hat oder von ihm abhängt, steuert, beherrscht und in Dienst nimmt. Nicht ohne Grund wird also die Kirche Christi als Schiff dargestellt – und wir sind mit auf diesem Schiff.

2. Zweitens gilt es nun zu betrachten, wo und wie wir auf dem Schiff Christi unseren Platz haben. Die Evangelien zeigen uns ja nur wenige, die mit Jesus im Boot sind. Wir könnten uns vorstellen, dass wir mit seinen Zuhörern am Ufer bleiben und nur durch sein Wort berührt werden, ohne über die Fluten mitgenommen zu werden.

Doch seit der ersten Begegnung Jesu mit den Fischern Simon und Andreas sind wir alle in das Schiff hineingenommen; denn als er sie zu seinen Jüngern berief, sagte er zu ihnen: „Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen“ (Mt 4, 18; Mk 1, 17). Also sind wir gleichsam durch das Fischeramt der Apostel in ihren Netzen gefangen und in das Schiff der Kirche hineingenommen. Bei den Fischwundern vor und nach den Paschaereignissen haben wir die Gewissheit, dass die Kirche für uns das Schiff unseres Lebens ist. In ihm finden wir Geborgenheit; in ihm erlangen wir die Pflege durch die Fischer – die Apostel –, in ihm und von ihm hören wir Christus; das Wort Gottes ist uns durch seine Menschwerdung nahe.

3. Im dritten Punkt schließlich geht es also um ein Mitsein mit Christus im Schiff, seiner Kirche. Wir sind ja eigentlich keine Fischer von Berufs wegen, sondern Fische durch die Taufe. Ist es nicht merkwürdig und für uns tröstlich, dass in der Darstellung Christi in der Kunst das Bild des Fisches gebraucht wurde? Die fünf Buchstaben des griechischen Wortes für Fisch – ιχθύς – erlaubten es den frühen Christen, an den Wänden der Katakomben so ihren Glauben zum Ausdruck zu bringen; „Jesus Christus – Sohn Gottes – Erlöser“ (Іησου̃ς Χριστός Θεου̃ Ύιός Σωτήρ). Das ist heute auch unser Glaube, wie wir ihn im Glaubensbekenntnis aussprechen.

Christus wird also unter dem Symbol des Fisches als Sohn Gottes und unser Erlöser dargestellt; wir sind durch Glauben und Taufe erlöst und Söhne und Töchter Gottes geworden. Die Ähnlichkeit mit Christus wird in unserem Leben sichtbar, wenn wir seine Lehre verwirklichen und mit seiner Gnade handeln.

Dazu helfen uns die Mahnungen des Apostels Jakobus in seinem Brief an die Christen in der Zerstreuung. Darin schreibt er: „Denkt an die Schiffe: Sie sind groß und werden von starken Winden getrieben, und doch lenkt sie der Steuermann mit einem ganz kleinen Steuer, wohin er will“ (Jak 3, 4). Ja, das Bild bezieht sich auf unser Verhalten in Worten; es gilt aber auch für unsere Gedanken und Werke, für unser ganzes Verhalten. Wenn Christus am Steuerruder steht, sind wir sicher: Er wird genug Druck ausüben – und das in vortrefflich milder Weise –, damit das Schiff unseres Lebens in die rechte Richtung gelenkt wird, und das auch bei Gegenwind. Als Schiffer, die mit dem See vertraut sind, wissen Sie schon, was es bedeutet, Ihr Schiff mit dem Steuerruder zu lenken. So möchte unser Ökumenischer Sportschiffer-Gottesdienst Sie einladen, Ihr eigenes Schiff zu einem ständigen Bild Ihres christlichen Lebens zu machen.

„Mit Christus am Steuerruder“: So wollen wir unser Leben sehen; denn er ist in unser Leben, in unser Schiff eingestiegen.

Amen!