Predigten

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Predigt
des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
im Pontifikalamt zum Fest des Hl. Johannes Bosco

(Basilika St. Benedikt zu Benediktbeuern, 31. Januar 2010)



„Freut euch allezeit im Herrn!“ (Phil 4, 7)

Liebe Mitglieder des Salesianerordens,
liebe Brüder und Schwestern in Christus!

Ja, nochmals sage ich wie der Apostel Paulus im Brief an die Philipper, wie Ihr Vater und Ordensgründer Don Bosco: „Freut euch!“ Warum?

Weil wir in den Heiligen auch die Liebe Gottes zu uns sehen – weil wir durch unser Schauen auf ihre Hingabe an Gott und die Menschen eingeladen sind, unserem Leben eine immer klarere Ausrichtung auf Gott zu geben – weil das Werk des heiligen Johannes Bosco hier in Benediktbeuern sein Charisma für die Bildung tatkräftiger und treuer Christen lebendig macht.

Die Gestalt Don Boscos lädt uns ein, ihn als Vorbild, als Lehrer und als Hirten zu betrachten. In dieser dreifachen Betrachtungsweise geht es um das Werk Gottes in, mit und durch seinen erwählten Diener. Bei Don Bosco ist das leicht zu erkennen, wenn wir auf die drei wichtigsten Elemente schauen, die für ihn auf seinem Weg zu seiner christlichen Haltung bestimmend sind: die Eucharistie, die Mutter Gottes und den Papst.

Die dreifache Grundlage des seelsorglichen Wirkens der Salesianer ist in den Glasfenstern der Kapelle in der Nuntiatur in Lima (Peru) dargestellt, in der ich vier Jahre als Sekretär des Nuntius zelebrierte und betete (1976-1980). Eine einfache und eindrucksvolle Darstellung, die auf beiden Seiten gleich ist: der Kelch mit der Hostie, das Marienmonogramm und das päpstliche Wappen. Bedeutungsvoll für das Leben Don Boscos ist die Art und Weise, wie er mit diesen Bereichen des christlichen Glaubens umging. Der Schlüssel zu seiner Haltung, zu seinen Erfolgen und letztlich auch zu seiner Heiligkeit wurde ihm durch die Muttergottes in der Grundvision seiner Berufung gegeben – er war damals kaum neun Jahre alt –, als sie ihm am Schluss ihrer Erscheinung sagte: „Sei demütig, stark und hartnäckig.“ So werde er die Jungen, die in der Vision anfangs wie wilde Tiere aussahen, zu friedlichen und freundlichen Lämmern formen.

1. Vorbild ist uns Don Bosco in seiner Demut schon als Kind und als Junge. Die Familiensituation war schwierig: Seine Mutter war die zweite Frau seines Stiefvaters, und sein Stiefbruder Antonio war dagegen, dass der hochbegabte Johannes studierte. Dank der Unterstützung durch einen Priester der Umgebung konnte er bei diesem das Studium beginnen. Und als dieser schon nach einem Jahr starb, durfte er als Externer die Schule besuchen. Um das nötige Schulgeld bezahlen zu können, musste Johannes mit 14/15 Jahren nach dem Unterricht und abends Hilfsarbeiten aller Art annehmen: Kellner, Nachhilfelehrer bei Mitschülern, Schreiner, Schuhmacher, Spengler, Schneider. So bekam er unter widrigen Umständen nach und nach eine Lehrlingsausbildung, die ihn darauf vorbereitete, Jahre später mit dieser Erfahrung Fachschulen zu gründen. Wenn die Wege Gottes uns durch widrige Ereignisse oder Umstände belastbarer und leistungsfähiger machen – so ließ ihn die Gottesmutter in einer Vision wissen – dann sind es Wege der Führung durch Gott. Und sie fügte hinzu: „In jener Zeit wirst du alles verstehen.“ Am Ende seines irdischen Lebens, als er die heilige Messe am Maria-Hilf-Altar der gerade geweihten Herz-Jesu-Kirche in Rom feierte, erinnerte sich Don Bosco unter wiederholtem Schluchzen an diese Worte. Was er gemacht hatte, war alles Frucht der Liebe Gottes und die Frucht seines Gehorsams und seiner Treue zu Gottes Willen. So waren es Tränen der Dankbarkeit und der Freude über Gottes Großzügigkeit in seinem Dienst.

2. Lehrer war der heilige Don Bosco in seinem ganzen Wesen – seit seiner Kindheit, so z. B., wenn er sonntags nach der Vesper in Castelnuovo seine Kameraden für eine Aufführung auf der Wiese hinter seinem Elternhaus sammelte. Er war der Gaukler, der am Schluss seiner Pirouetten die morgendliche Predigt des Pfarrers mit seinen Worten – die sicher besser auf die Jungen zugeschnitten waren – wiederholte.

Wie hätte Don Bosco ein so ausgezeichneter Pädagoge werden können, wenn er nicht aus seiner eigenen Erfahrung heraus die Notwendigkeit einer Verbindung zwischen Glauben und Wissen erkannt hätte? Bald nach den ersten Treffen von Jungen in der Pfarrei des heiligen Franziskus von Assisi in Turin ist ihm klar, dass eine Bildung für das Leben auch eine Berufsausbildung erfordert. Bei der Umsetzung dieser Einsicht waren ihm seine früheren Aushilfstätigkeiten vortreffliche Wegweiser. Er war konkret in seinen Plänen, aber auch in seinen pädagogischen Schriften, wenn es darum ging, sein Charisma anderen – besonders den Mitgliedern des Ordens der Salesianer – weiterzugeben. Grundlegend ist für ihn die Beziehung zu Gott, weil Gott die Quelle der Schöpfung und der Erlösung der sündigen Menschen ist. Auch ohne ein neues pädagogisches Prinzip einführen zu wollen, bringt er doch mit seiner „präventiven Pädagogik“ einen neuen Aspekt in die Erziehungswissenschaft ein. Sie, die Salesianer Don Boscos unter uns, haben bei Ihrem Bemühen, weltweit Jungen und junge Männer auf ihren Lebensweg vorzubereiten, teil an diesem Charisma, bei dem die christlichen Werte mit den menschlichen harmonieren, sich entfalten und wirksam sind. Mehrmals habe ich im Gespräch mit Absolventen Ihrer Fachschulen erfahren können, wie das, was Sie in deren Köpfen, Herzen und Händen gesät haben, kontinuierlich gewachsen ist.

Diese Pädagogik nun hat ihre Wurzeln beim heiligen Franz von Sales, für den der Grundsatz gilt: „Alles durch Milde, nichts durch Gewalt.“ Sie sehen, wie Ihr erster „Rettore maggiore“ ein vortrefflicher Lehrer mit den Mitteln der Kirche war: Er war mit Christus ein Lehrer durch Liebe.

3. Fürsprecher war Don Bosco schon zu seinen Lebzeiten – aber in seiner einzigartigen Weise; das heißt, er verlangte von anderen Hilfe für seine Jungen - und wie! Da er in seiner Kindheit viel von den Gauklern übernommen hatte, wusste er, wie man spielerisch andere dazu bringen kann, Almosen zu geben. Als er schon eine anerkannte Persönlichkeit in der Turiner Gesellschaft war, war er in adeligen und anderen angesehenen Familien häufiger zu Gast. Am Ende der Mahlzeit kam seine Bitte: „Wem gehört dieser Ring? Zwanzig Lire für die Rückgabe!“ – „Wem gehört diese Brosche? Dreißig Lire!“ usw. Der schlaue Don Bosco hatte eine Reihe von Juwelen während des Gesprächs „an sich genommen“, die nur gegen das von ihm festgesetzte Almosen zurückgegeben wurden. Nicht ohne Grund sagt man, dass die Heiligen nicht unbedingt in all ihrem Tun nachzuahmen sind.

Fürsprecher bleibt Don Bosco für uns, wenn man feststellt, wie groß seine Anziehungskraft in der ganzen Welt ist, und nicht nur in den Schulen und sonstigen Bildungseinrichtungen der Salesianer. Der Grund ist einfach: weil alles durch Liebe, mit Liebe und zur Liebe getan wird. Mit Demut und Stärke überwindet er alle Widerstände. In seiner Zeit gab es in Turin und ganz Piemont mit der beginnenden Industrialisierung heftige soziale und gesellschaftliche Auseinandersetzungen. Die Gegensätze konnten nur durch Liebe und Vertrauen überwunden werden. Seine freundliche Art war da, wo er sich um Ausgleich bemühte, wie ein Feuer, das alles veränderte. Ja, unsere Anliegen dürfen wohl über seine Fürbitte vor Gott getragen werden.

Schließlich müssen wir uns fragen, was wir erwarten, wenn wir Don Bosco ehren. Die Antwort gibt uns das Tagesgebet seines Festes: „Gott, du Quell der Freude, … gib uns die Liebe, die ihn erfüllt hat“, so dass wir nach seinem Vorbild der Welt Freude bringen. „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4, 8), schreibt der Apostel Johannes. Mit Liebe, mit Gott erlangen wir auch den „Frieden Gottes, der alles Verstehen übersteigt“ (Phil 4, 7).

„Freut euch allezeit im Herrn“ (Phil 4, 4)!
Amen!