Predigten

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PREDIGT DES ERZBISCHOFS VON BAMBERG,
DR. LUDWIG SCHICK,
IN DER EUCHARISTIEFEIER
ZUM 3. JAHRESTAG DER WAHL VON PAPST BENEDIKT XVI.
(Berlin, St. Hedwigs-Kathedrale, 20. April 2008)



Es gilt das gesprochene Wort!
 
Les: Apg 6,1-7
Les: 1 Petr 2,4-9
Ev: Joh 14,1-12


Thema: Der Papst – erster Missionar und erster Verantwortlicher für die Weltkirche, erster Zeuge des Glaubens und Hirte der Kirche

 
Eminenz, Hochwürdigster Herr Kardinal Sterzinsky, 
verehrter Herr Nuntius Périsset, 
geschätzte Vertreter des diplomatischen Korps,
verehrte Abgeordnete, 
liebe Schwestern und Brüder! 


1. Papstsonntag in Berlin. Wir danken heute für die Wahl von Papst Benedikt XVI. am 19. April 2005 zum Nachfolger des Apostels Petrus und zum Stellvertreter Christi in Seiner Kirche. Gerne feiere ich diesen Papstsonntag und Dankgottesdienst mit Ihnen. Papst Benedikt XVI. ist ein Geschenk für die Kirche und ganz besonders für uns Deutsche.
Unsere Nachbarn, die Polen, haben Johannes Paul II. als eine Gabe Gottes, auch und vor allem für ihre Nation empfunden. Und er hat seinen Landsleuten immer wieder deutlich gemacht, dass das auch Verpflichtung ist. Karol Wojtyla hat seinen Landsleuten Freiheit und Selbstbewusstsein, Ehre und Anerkennung in der Welt gebracht und sie sollten ihm dafür Treue zum Glauben und zur Kirche zum Geschenk machen. 

2. Liebe Schwestern und Brüder!
Sicher, Papst ist der Heilige Vater für alle Christen auf der ganzen Welt, das hat Papst Benedikt XVI. gerade jetzt in den Vereinigten Staaten von Amerika deutlich gemacht. Aber ein Papst ist auch besonders für die Nation aus der er kommt, eine besondere Gabe und Aufgabe. Das gilt jetzt für uns, die deutsche Nation. Die lateinische Sprache benutzt für Geschenk das Wort 'munus', das einen doppelten Sinn hat. Munus bedeutet einmal Gabe und zum anderen und zugleich auch Aufgabe. Papst Benedikt XVI. ist eine Gabe an uns Deutsche und eine Aufgabe für uns. Die Aufgabe besteht darin, dass wir unseren Glauben erneuern, das Band mit der Kirche enger knüpfen und als Christen engagierter leben.

3. Worin besteht das Wesen des Papsttums? Drei Worte Jesu an Petrus sind besonders bedeutsam und richtungsweisend. Das erste: „Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18). Dieses Wort ist im Innern der Kuppel der Peterskirche in Rom in Mosaiksteinen festgehalten. 
Das zweite Wort findet sich im Lukasevangelium. Christus sagt zu Petrus: „Wenn du dich bekehrt hast, dann stärke deine Brüder“ (Lk 22,32).
Das dritte Wort ist im Johannesevangelium überliefert. Der Auferstandene trägt Petrus auf, nachdem dieser bekannt hat, dass er ihn liebt: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe“ (Joh 21,15-19). 

4. „Du bist Petrus, der Fels“, „stärke deine Brüder“, „weide meine Lämmer“: Letztlich geht es bei allen drei Aussagen um das Gleiche, nämlich, dass Petrus den Auftrag bekommt, den Glauben zu verkünden, den Glauben aller in den Gemeinden zu stärken und die Gemeinschaft des Glaubens bzw. im Glauben zu bewahren. Die Kirche ist Glaubensgemeinschaft. Dafür ist der Petrusdienst und das Papstamt da. 

5. Papst Benedikt XVI. tut diesen Dienst in Wort und Beispiel. Seine Stärke ist es, den Glauben darzulegen, klar wie ein Professor und zugleich einfach, wie ein erfahrener, väterlicher Lehrer.
 
6. Um den Glauben geht es auch heute in allen drei Lesungen. Die Apostel wollen und müssen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben. Sie achten den Dienst an den Tischen nicht gering. Sie setzen die sieben Diakone ein, die diesen Dienst verrichten sollen. Aber ihnen ist das Gebet und das Wort Gottes aufgetragen und dabei wollen und müssen sie bleiben. Die Lesung aus dem 1. Petrusbrief ist Dienst am Wort Gottes. Sie gibt eine Predigt wieder, die Petrus gehalten hat. Sie ist intensive Einladung: ‚Kommt zum Herrn, dem lebendigen Stein. Durch ihn und mit ihm seid ihr aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen.’ Im Evangelium ringt Jesus um den Glauben der Jünger. ‚Glaubt an Gott und glaubt an mich. Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Kommt zu  mir, damit ihr zum Vater kommt; wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und noch größere.’

7. Liebe Schwestern und Brüder! 
Der Glaube ist das Wesentliche, das die Kirche den Menschen zu bringen hat. Glaube dürfen wir aber nicht verwechseln mit einem besonderen oder höheren Wissen, mit mehr Wissen als das, was uns die Wissenschaften erklären können. Das Wort Glaube wird aber im Alltag oft so gebraucht. Die Dass-Sätze machen es deutlich: „Ich glaube, dass ...“ klingt wie „ich weiß, dass“ und wird auch so verstanden. „Ich weiß, dass“ bedeutet: Wissenschaft, Erkenntnis, Einsicht haben; mir ist dies und jenes als Wissen kundgetan. „Ich glaube, dass“ bedeutet in dieser Fortschreibung, dass es ein „Wissen“ gibt, das aber nicht oder noch nicht bewiesen ist.  Unser Glaube ist aber mehr mit „vertrauen auf...“ wiederzugeben. Ich vertraue auf Jesus Christus, den Lebendigen, der zu einem neuen Leben auferweckt wurde. Unser Glaube ist ein ‚Sich-Binden’ an diesen Jesus. Daraus wird dann ein neues Leben, das auch ein neues Wissen enthält und zu einer neuen Praxis führt. 

8. Im Vertrauen auf Jesus glaubt der Mensch an den gütigen Vatergott. Er weiß, dass er existiert und lebt, die Welt und jedes Menschen Schicksal in seiner guten Hand hält und zur Vollendung führt. Im Vertrauen auf Jesus und im Leben mit ihm weiß der Mensch, dass Solidarität, Gemeinschaft, Liebe mehr ist als Egozentrik, Singlelife und Ich-Sucht. Im Leben mit Christus und im Vertrauen auf ihn glaubt der Mensch und weiß, dass die Sorge für die Armen gottgewollt und eine heilige Verpflichtung ist. Dass wir Strukturen schaffen müssen und können, die integrieren und nicht gettoisieren, die Frieden und Versöhnung schenken und nicht ausgrenzen und an den Rand stellen. Im Vertrauen auf Jesus und im Leben mit ihm wissen wir um die Würde und die Rechte eines jeden Menschen von der Zeugung und Empfängnis an bis zum natürlichen Tod. Im Glauben wissen wir, dass das menschliche Leben unantastbar ist. 
Glaube hat sehr wohl etwas mit dem Leben zu tun, ja er ermöglicht ein neues, ein anderes Leben, wie es sich die Menschen letztlich auch alle wünschen. Deshalb ist der Glaube für uns so wichtig. Ohne ihn, ohne das Vertrauen auf Jesus, ohne das Leben mit ihm und aus ihm, wird dieses neue Leben nicht möglich. 

9. Deshalb ist auch der erste und oberste Hirte der Kirche besonders für den Glauben verantwortlich. Er sorgt dafür, dass er bis an die Enden der Erde gepredigt und rein und unversehrt erhalten wird. Weil die Kirche der festen Überzeugung ist, dass nur im Namen Jesu allen Menschen Heil wird, wie es in der Apostelgeschichte heißt, und dass der Auftrag Jesu vor seinen Jüngern immer und überall gilt: „Geht hin in alle Welt, macht alle Menschen zu meinen Jüngern, lehrt sie halten, was ich euch aufgetragen habe und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!“, deshalb ist der Papst auch immer erster Missionar und Förderer der ganzen Kirche, die missionarisch sein und ihm darin folgen muss. 

10.  Als verantwortlicher Bischof in Deutschland für die Weltkirche und für die Mission möchte ich diese erste und wichtigste Aufgabe des Papstes ganz besonders am Papstsonntag 2008 unterstreichen. Er ist für den Glauben und für die Ausbreitung des Glaubens vor allem und vor allen verantwortlich und beauftragt. Diesen Dienst nimmt Papst Benedikt XVI. durch seine klaren und zugleich sehr einfachen Predigten wahr, bei den Generalaudienzen jeden Mittwoch ebenso wie bei den Predigten an Sonn- und Feiertagen. Diese Aufgabe nimmt er wahr als theologischer und geistlicher Schriftsteller. Kein Papst vor ihm hat uns mit so vielen Büchern beschenkt. Er nimmt diese Aufgabe wahr durch sein Gebet und seine Reisen in alle Welt als Apostel, Missionar und Zeuge des Glaubens. 

11.  Liebe Schwestern und Brüder! 
Glaube bestimmt unser Leben, oft mehr als wir es wissen oder zugeben. Auch Agnostiker und Atheisten haben einen Glauben, nämlich den, dass Gott nicht ist. Es ist deshalb entscheidend und wichtig, dass es der richtige Glaube ist, der unser Leben bestimmt. Den hat uns Gott in Jesus Christus geoffenbart. Aus diesem Glauben muss Leben werden. Unser Glaubensleben bedeutet: mit ihm zu leben, mit ihm zu sein und uns mit ihm zu bewegen. Denn allein das Mitsein mit Jesus Christus ist wirkliches Leben in Würde und Recht, in Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit. Deshalb bieten wir den Glauben allen Menschen an, unabhängig von Religion, Nation, Kultur, Hautfarbe und Einstellung. Der Papst ist der Erste in diesem Dienst am Wort Gottes, das für uns eine Person ist, Jesus Christus. Er ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, ‚die Herrlichkeit des Eingeborenen vom Vater’, so bekennen wir mit dem Prolog des Johannesevangeliums. Die Verkündigung und Bewahrung des Glaubens, der Vertrauen in und Mitsein mit Jesus Christus ist, ist der erste und wichtigste Dienst des Papstes. Papst Benedikt XVI. erfüllt ihn vorbildlich für die ganze Kirche. Daran denken wir heute am Papstsonntag. Dafür danken wir Gott, dass er uns Papst Benedikt XVI. geschenkt hat. Wir, und ganz besonders wir Deutsche, erlangen dabei die Verpflichtung, ihm in diesem Glauben zu folgen, aus ihm zu leben und ihn in der Familie, in der Arbeitswelt, in der Politik umzusetzen. Denn Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Und wir bitten heute Gott, dass er seinen Diener, unseren Papst Benedikt XVI., als Zeuge und Missionar des Glaubens stärken und erhalten möge.
Amen.