Predigten

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Pontifikalamt des Apostolischen Nuntius in Deutschland,
Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset,
im Dom St. Peter in Regensburg
(23. März 2008)



Einführung:

Es erfüllt mich mit großer Freude, heute diesen österlichen Festgottesdienst in der Hohen Domkirche mit Ihnen zu feiern. Für die freundliche Einladung, die Karwoche und das Osterfest im Bistum Regensburg zu verbringen, und die liebenswürdigen Worte der Begrüßung jetzt zu Beginn der Feier sage ich Herrn Bischof Müller herzlich Dank.

Mit ihm begrüße ich Herrn Weihbischof Pappenberger, die Mitglieder des Domkapitels, die Priester, Diakone und Ordenschristen und Sie alle, die Sie an dieser Feier der Eucharistie teilnehmen.

Ihnen allen gilt mein österlicher Gruß: Der Friede des auferstandenen Herrn sei mit Euch!

Bitten wir zu Beginn der Feier um die Bereitschaft, uns immer neu in Gottes Dienst nehmen zu lassen - bitten wir, dass Gott alle Verweigerung, alle Schuld von uns nehme, die uns belastet.


Predigt:

Exzellenzen, liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

„Er sah und glaubte“ (Joh 20, 8).

Was hat der Apostel gesehen? Das leere Grab mit den Leinenbinden und dem Schweißtuch, das zusammengefaltet gesondert an einem eigenen Platz lag. Ist das aber schon genug, damit er glaubt, dass Jesus von Nazaret, den er kaum zwei Tage zuvor mit Nikodemus und Josef von Arimathäa und den Frauen ins Grab gelegt hat, auferstanden ist? Die letzte Begründung liegt in der Botschaft der Schrift, d. h. des Alten Testaments: „dass Jesus auferstehen musste“ (Joh 20, 9), und in den vielen Verheißungen Christi wie zum Beispiel nach der Verklärung auf dem Berg Tabor, als er Petrus, Jakobus und Johannes verbot, „irgendjemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei“ (Mk 9, 9).

Die Jünger erfahren ihn dann in seinen Erscheinungen als den Auferstandenen, den der Vater in seiner Auferweckung in dem Anspruch bestätigt, der vom Vater gesandte Messias zu sein, der seinen Auftrag erfüllt.

Dass die Auferstehung Christi für uns heute, die wir in der Zeit der Kirche leben, und für die Welt grundlegend wichtig ist, ist Inhalt unseres Glaubens. Quelle dieses Glaubens ist aber nicht, was unsere Augen sehen - wie bei Johannes -, sondern was unsere Ohren vom Zeugnis der Apostel hören. So sagt z. B. der hl. Paulus den Korinthern in seinem ersten Brief an sie: „Er ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf“ (1 Kor, 15, 4f). Und Johannes schreibt zu Beginn seiner Ersten Briefes: „Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit eigenen Augen gesehen haben ... das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt“ (1 Joh 1, 1-3).

Die Auferstehung Christi bleibt heute - wie schon am Anfang der Evangelisierung - ein Stein des Anstoßes. Der hl. Paulus hatte das selber erlebt, als er sich an die Menschen auf dem Areopag in Athen wandte. Sobald er in seiner Rede auf die Auferstehung Christi zu sprechen kam, „spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören“ (Apg 17, 37). Also zwei Reaktionen, die beide eine Ablehnung bedeuten, die erste grob mit Spott, die andere höflich mit Vertagung. Nur wenige „schlossen sich ihm an und wurden gläubig“ (Apg 17, 34).

Ist es nicht heute das Gleiche wie in längst vergangenen Jahrhunderten? Müssen wir unseren Glauben an die Auferstehung Christi nicht ständig neu aussprechen? Sie ist Inhalt unseres Glaubensbekenntnisses, das wir gleich singen werden: „Wir glauben, dass Jesus Christus am dritten Tage auferstanden ist nach der Schrift.“ Und dasselbe tun wir, wenn wir in der Akklamation nach der Wandlung bekennen: „...deine Auferstehung preisen wir“ und im Ersten Hochgebet heißt es im Hinblick auf die Feier des Gedächtnisses des Sohnes: „Wir verkünden sein heilbringendes Leiden, seine Auferstehung von den Toten.“ Diese Texte mahnen uns, über den Gottesdienst hinaus den auferstandenen und lebendigen Christus zu bezeugen und zu verkünden: in Worten und besonders durch die Art unseres Lebens im Alltag, so dass wir Wegbereiter für die Frohbotschaft von der Gegenwart Christi in der Welt sind. Das ist auch der Kern der Mission in Ihrer Stadt wie der Kern jeder Evangelisierung von Anfang an. Sicher sind Programme, Vorträge und Feiern notwendig, damit unser missionarisches Wirken erneuert und immer lebendiger wird. Dabei gilt, was Papst Johannes Paul II. in dem Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte sagte: „Es geht also nicht darum, ein 'neues Programm' zu erfinden. Das Programm liegt schon vor: Seit jeher besteht es, zusammengestellt vom Evangelium und von der lebendigen Tradition. Es findet letztlich in Christus selbst seine Mitte“ (Nr. 29).
Das erklärt, warum Papst Benedikt wie sein Vorgänger Papst Johannes Paul II. so stark auf die lebendige Person Christi Gewicht legt. Seit Beginn seines Pontifikates ermahnt uns Papst Benedikt, der Liebe zu Christus nichts vorzuziehen, wie es schon der hl. Benedikt in seiner Regel den Mönchen zur Pflicht gemacht hat (Regel 4, 21; 72, 11).

Christus lebt! Und unser ganzes Leben soll davon Zeugnis geben. Hoffen wir, dass wir nicht wie die Frauen, die in der Frühe des Ostermorgens mit wohlriechenden Salben zum Grab kamen, den Vorwurf zu hören bekommen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten“ (Lk 24, 5)? Und auch nicht die Kritik Nietzsches an die Adresse der Christen, sie müssten ihm erlöster aussehen, damit er an ihren Erlöser glaube.

Es geht am Osterfest also auch um uns. Als Jünger Christi und Getaufte sind wir ja durch seinen Tod und seine Auferstehung gerechtfertigt; denn wir glauben an den, „der Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt hat. Wegen unserer Verfehlungen wurde er hingegeben, wegen unserer Gerechtmachung wurde er auferweckt“, wie es im Römerbrief heißt (Röm 4, 23f). Paulus ruft uns, die wir nach dem Ersten Korintherbrief „Leib Christi“ (1 Kor 12, 27) sind, dazu auf, lebendige Zeugen der Auferstehung Christi zu werden. Er schreibt noch: „Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben“ (Röm 6, 4). Das ist das Grundprogramm der Stadtmission Regensburg für die Neuevangelisierung der Gesellschaft: der lebendige Christus, der Auferstandene!

Die heutige Osterliturgie hilft uns, dass wir der Auferstehung Christi nicht nur als eines Geschehens gedenken und uns nicht nur freuen, diese im Glauben als wahr anzunehmen, sondern auch, dass wir als in Christus erneuerte Geschöpfe leben - entsprechend dem Wort des Apostels Paulus: „Ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott“ (Kol 3, 3).

Man ist erstaunt, wie im Laufe der Geschichte die Auferstehung Christi durchgängig als Kern der Frohbotschaft betont wurde - eben weil Tod und Auferstehung zusammengehören. Deshalb ist das Grab Christi in Jerusalem Zeugnis des Lebens, im Gegensatz zu den Gräbern auch berühmter Menschen: „Er ist nicht hier“, sagte der Engel zu den Frauen. „Seht, das ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte“ (Mk 16, 6). Johannes „sah und glaubte“ (Joh 20, 8); wir haben es in der Frohbotschaft gehört, und auch wir glauben. Lassen wir uns den Auferstandenen nicht vom modernen Skeptizismus rauben - und auch nicht von den fantastischen Geschichten über Särge in Jerusalem, deren Seriosität der Weisung der Ältesten in Jerusalem an die Soldaten gleicht, die sagen sollen: „Seine Jünger sind bei Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während wir schliefen“ (Mt 28, 13).

Bleiben wir wach im Glauben, denn „unser Paschalamm ist geopfert: Christus. So lasst uns das Festmahl halten im Herrn“ (Ruf vor dem Evangelium).